Die Schaffung des Bürgers

Die Umsetzung der Ideale der amerikanischen Demokratie setzte eine Definition des Begriffs „Volk“ voraus und machte es erforderlich, das Wesen des „Staatsbürgers“ mit Inhalt zu füllen. Da diese Fragen in den Gründungsurkunden nicht klar artikuliert werden, wurden die Antworten darauf den künftigen Generationen überlassen. Wie vielfältig soll die Bürgerschaft sein? Benötigen wir eine gemeinsame nationale Geschichte? Welches sind die Rechte und Pflichten der Bürger?

Definition des Staatsbürgers

Definition des Staatsbürgers

Die Amerikaner sind stolz, eine Nation von Einwanderern zu sein, aber es gab andauernde Spannungen zwischen der Begrüßung von Neuankömmlingen und der Sorge, dass sie den Charakter der Nation verändern. Seit den ersten Jahren der Republik wurden Gesetze verabschiedet und Richtlinien entwickelt, um Neubürger über amerikanische Geschichte, Werte, Rechte und Verantwortlichkeiten zu unterrichten.

Schreibgarnitur, mit der die Emanzipationsproklamation verfasst wurde

Im Sommer 1862 nahm Präsident Abraham Lincoln an einem Schreibtisch im Telegraphenamt des Kriegsministeriums Platz und begann, einen Präsidentenerlass zu verfassen, um die versklavten Menschen in den konföderierten Staaten zu befreien. Während der Erlass in seinem Geltungsbereich begrenzt war, war seine Wirkung revolutionär. Mit der Emanzipation und der Verabschiedung des dreizehnten Zusatzartikels im Jahr 1865 waren mehr als vier Millionen Amerikaner rechtlich nicht mehr als Eigentum einer anderen Person definiert, und obwohl ihre Rechte brutal bekämpft werden sollten, wurden sie Bürger der Vereinigten Staaten.

Wie vielfältig sollte die Bürgerschaft sein?

Wie vielfältig sollte die Bürgerschaft sein?

In einer Nation, die von Einwanderern geschaffen wurde, ist keine Frage öfter diskutiert worden, als die nach dem idealen Charakter seiner Bürgerschaft. Eine Ansicht ist, dass „Multikulturalismus“, also die Erhaltung des vielfältigen Kulturerbes, das Land bereichert. Manche haben eine gemeinsame Bürgerschaft gefordert, einen „Schmelztiegel“, in dem Einwanderer assimiliert und ihre Traditionen zu einer homogenen amerikanischen Kultur transformiert werden. Andere jedoch stellen diese Vielfalt in Frage und versuchen, die Einwanderung zu beschränken und bestimmte Rassen bzw. ethnische Gruppen auszuschließen. Diese sehr unterschiedlichen Positionen haben die politischen Debatten der Nation über die Wirtschafts-, Außen- und Einwanderungspolitik sowie Bildungs- und Sozialprogramme stark beeinflusst.

Menorah mit Freiheitsstatuen zum jüdischen Lichterfest

Manfred Anson entwarf diesen Lichterfest-Leuchter im Jahr 1986, zum hundertsten Jahrestag der Freiheitsstatue. Anson, der als Teenager aus Nazi-Deutschland entkommen war, wurde später wieder mit seiner Familie vereint, die in die Vereinigten Staaten ausgewandert war. Für diesen Leuchter verband Anson eine traditionelle polnische Menorah mit Statuetten, die nach einem Andenken an die Freiheitsstatue aus dem 19. Jahrhundert gegossen worden waren.

 

Brauchen wir eine gemeinsame nationale Identität?

Nach der Unabhängigkeit waren die Bürger der neuen Nation bestrebt, ihre eigene Identität zu formen und eine einzigartige Geschichte zu schaffen. Sie führten Feiertage wie den Tag der Unabhängigkeit und später das Erntedankfest (Thanksgiving Day) ein und schrieben die Geschichte Amerikas mit der Landung der Gründerväter am Plymouth Rock und dem Unabhängigkeitskrieg nieder. Teilweise machten die Amerikaner das nicht nur für sich selbst, sondern auch, um künftigen Generationen ein gemeinsames Ideal von Staatsbürgerschaft zu vermitteln. Daraus resultierte eine ständige Debatte: Soll es gemeinsame Überzeugungen und ein nationales Narrativ geben, mit denen die Werte der Nation zum Ausdruck gebracht werden?

Die große Geschichts-Uhr von Amerika

Diese aufwändig gestaltete und spektakuläre Uhr aus dem 19. Jahrhundert mit ihrer Vielzahl von mechanischen Vorrichtungen sollte die amerikanische Geschichte lebendig werden lassen. Zur Überbrückung der Diskrepanzen zwischen Unterhaltung und Bildung zeigen die überbordenden Volksmotive die Ankunft von Columbus, eine Prozession mit US-Präsidenten von George Washington bis Benjamin Harrison sowie weitere patriotische Darstellungen.