Aufbau von Gemeinschaften: Chicago und Los Angeles, 1900–1965

In den Jahren zwischen 1900 und 1965 war in den Vereinigten Staaten ein extrem starkes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen, und es fanden große Veränderungen statt. Zuwanderer und Migranten zog es aufgrund der Fülle an Arbeitsplätzen, die mäßige bis geringe Qualifikationen verlangten und wegen anderer wirtschaftlicher Möglichkeiten, die sich aus der fortschreitenden Industrialisierung der Gesellschaft ergaben, in die großen Städte der USA. Die im Ausland geborenen Menschen trafen auf Amerikaner afrikanischer, mexikanischer, asiatischer und europäischer Abstammung und konkurrierten mit ihnen. Städte wurden zu den Orten, an denen die Neuankömmlinge und die Einheimischen ihren Platz in einem sich verändernden Land aushandelten.

Chicago – Stadt der unterschiedlichen Viertel

Chicago – Stadt der unterschiedlichen Viertel

Bis 1890 boomte Chicago mit einer Bevölkerung von einer Million, von der 80 % entweder im Ausland geboren oder Kinder von Einwanderern waren. Wie in vielen anderen Städten auch reagierten die Bewohner Chicagos unterschiedlich auf die zunehmende Diversität. Einige Neuankömmlinge zogen dort hin, wo sie in der Nähe von anderen Menschen derselben Nationalität oder Religion leben konnten. Viele kämpfen darum, ihre Lebensbedingungen zu verbessern, aber oft waren ihre Möglichkeiten durch ihre Rasse festgelegt.

Chicago, 1931
 

Bronzeville

In den 1930er Jahren war das Viertel Bronzeville in der South Side Chicagos Heimat einer Viertelmillion afroamerikanischer Migranten, vor allem aus den ländlichen Gebieten im Süden der USA. Nahe wohnende weiße Bewohner flohen in andere Teile der Stadt und in die Vororte, wodurch sich ein „schwarzer Gürtel“ bildete, in dem die Menschen getrennt von den weißen Einwohnern Chicagos lebten. Trotz vieler Herausforderungen und Probleme war die Gemeinschaft in einem Netzwerk von durch dunkelhäutige Menschen betriebenen Einrichtungen verankert, zu denen Unternehmen, Musikclubs, soziale Gruppen und Kirchen gehörten.

Gospelmusik in Bronzeville

Der Blues-Künstler Thomas A. Dorsey zog im frühen 19. Jahrhundert aus Georgia zu. Als führende Figur des aufstrebenden Genres der Gospel-Musik leitete er 60 Jahre lang den Chor der Pilgrim Baptist Church in der South Side Chicagos. Die Kirche befand sich in dem Gebäude einer ehemaligen Synagoge, an dem weiterhin der Davidstern zu sehen war.

Pilgrim Baptist Church, 1941

Thomas A. Dorsey, Ende der 1920er Jahre

Gospel-Schallplatte, 1932

Nachdruck von Gospelnoten, 1952

Architektonisches Element in Form eines Davidsterns, 1892

Los Angeles – Stadt der Verheißung

Los Angeles – Stadt der Verheißung

Seit seiner Gründung im Jahre 1781 haben über Los Angeles die spanische, die mexikanische und die amerikanische Flagge geweht. Bis zu den 1930er Jahren hatte es sich zu einer der größten und vielfältigsten Metropolregionen der Welt entwickelt. Los Angeles zog Menschen aus dem ganzen Land und der ganzen Welt mit dem Versprechen von besseren Arbeitsplätzen und der Freiheit, mehr Möglichkeiten verfolgen zu können, an. Während viele ankamen und Erfolg hatten, sahen sich andere mit Herausforderungen konfrontiert.

Luftbild von Los Angeles

La Esperanza, La Plaza/El Pueblo, Innenstadt von Los Angeles, 1950er Jahre

Treffpunkt in La Plaza

Ezequiel Moreno, gebürtig aus Zacatecas, Mexiko, eröffnete 1918 eine Bäckerei in seinem Haus, und in den 1920er Jahren zog er damit nach La Plaza im Herzen der Innenstadt von Los Angeles um. Er nannte die Bäckerei La Esperanza, was „Hoffnung“ bedeutet. Bald wurde sie von Kunden aus vielen Schichten der Bevölkerung von Los Angeles aufgesucht.

Mexikanische Einwanderer, Angestellte aus der Innenstadt und Filmstars aus Hollywood kamen, um Brot, Kaffee, traditionelle mexikanische Gerichte und „American-style“-Mittagessen zu kaufen und zu genießen.

Ezequiel Moreno vor La Esperanza, 1940er Jahre

Mitarbeiter in der Bäckerei La Esperanza, 1950er Jahre

Neon-Aushängeschild von La Esperanza, um 1950

Die roten, weißen und grünen Farben des Ladenschilds von La Esperanza spiegeln den mexikanischen Ursprung von Ezequiel Moreno, dem Inhaber der Bäckerei, wider. Der Anker symbolisiert Hoffnung und die Schaffung von Wurzeln in seiner neuen Heimat wieder.


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