Eine Stadt der Straßenbahnen: Washington, D.C., 1900

Die Straßenbahn und das tägliche Leben

Die Straßenbahn und das tägliche Leben

Die amerikanischen Städte des 19. Jahrhunderts waren Fußgänger-Städte – die meisten Einwohner arbeiteten in der Nähe ihrer Wohnung und kauften auch dort ein. Mit dem Bau von elektrischen Straßenbahnnetzen in den 1880er, 1890er und frühen 1900er Jahren expandierten jedoch die Städte. Viele weiße Stadtbewohner zogen in neue, mit der Straßenbahn erreichbare Vororte; die Straßenbahnen machten es leicht, größere Entfernungen zur Arbeit, zum Einkaufen und zum Knüpfen sozialer Kontakte in der Stadt zurückzulegen. Die Straßen der Stadt und der Lebensstil der Menschen veränderten sich.

Die Randgebiete Washingtons wandelten sich durch die Straßenbahnen zu neuen Stadtvierteln. Immobilienentwickler bauten oft Straßenbahnlinien, um die Entwicklung neuer Vorortgemeinden zu fördern. Dass sie der arbeitenden Bevölkerung der Mittelklasse mit so großem Erfolg die Vorstädte schmackhaft machen konnten, veränderte das Leben innerhalb der Viertel und die Rhythmen der Stadt. Außerdem verband die Straßenbahn die Einwohner Washingtons mit dem größten öffentlichen Markt der Stadt. Dort konnten die Käufer landwirtschaftliche Erzeugnisse und Fleisch von Bauernhöfen, Obst und Gemüse aus dem ganzen Land sowie einige Produkte, etwa Bananen, aus Übersee erhalten.

Elektrische Straßenbahn, 1898

Elektrische Straßenbahn, 1898

Diese Straßenbahn der Capital Traction Company fuhr entlang der 7th Street von den Kais am Potomac River bis zum Stadtrand. Innerhalb Washingtons waren Oberleitungen verboten, weshalb die Straßenbahnen im Stadtgebiet über eine unterirdische elektrische Leitung und außerhalb der Stadtgrenzen über oberirdische Leitungen versorgt wurden.

Sehen Sie sich das Fahrrad zwischen dem Pferd und der Straßenbahn an.

Overman-Fahrrad, 1889

Overman-Fahrrad, 1889

In den 1890er Jahren erlebte das Fahrradfahren einen enormen Aufschwung. Als erstes persönliches mechanisches Fortbewegungsmittel vermittelte das Fahrrad Männern wie Frauen ein aufregendes Gefühl der Freiheit. Das Radfahren stellte eine beliebte Möglichkeit dar, sich in der Stadt fortzubewegen und an den Wochenenden unternahmen viele Fahrradenthusiasten Touren auf das Land. Fahrradfahrer spielten eine wichtige Rolle bei der Lobbyarbeit für die Verbesserung der Straßenqualität.

Sehen Sie sich als nächstes nach der Überschrift hinter der Straßenbahn, nahe bei dem Baum, um.

Was wurde aus den Straßenbahnen?

Was wurde aus den Straßenbahnen?

In den frühen 1900er Jahren deckten Straßenbahnen und elektrische städteverbindende Verkehrsmittel einen Teil des landesweiten Bedarfs an Transportmitteln. Im Jahr 1917 umfasste das Nahverkehrsnetz des Landes Schienenstrecken von insgesamt 45.000 Meilen (72.420 km) und wurde von Millionen von Straßenbahnfahrern genutzt. In den darauffolgenden Jahrzehnten jedoch wurden die Straßenbahnen aufgrund der Beschränkungen der Straßenbahnsysteme, der Richtlinien und der Handlungen der Regierungen und der Unternehmen, der Entscheidungen der Verbraucher und der Entwicklung von Alternativen – insbesondere von Bussen und Automobilen – obsolet.

Ab den 1910er Jahren wurden die Straßenbahnen zunehmend durch Busse ersetzt. Viele Pendler betrachteten Busse als einen modernen, bequemen, sogar luxuriösen Ersatz für die klapprigen, unbequemen Straßenbahnen. Der Einsatz von Bussen war für die Verkehrsbetriebe wirtschaftlich sinnvoll: sie waren flexibler und kostengünstiger zu betreiben als Straßenbahnen. In einigen Städten kauften sich Automobilhersteller und Anbieter von Automobil-Zubehör, darunter General Motors, die Firestone Tire and Rubber Company und Standard Oil of California, in die Verkehrsbetriebe ein und förderten die Umstellung von der Straßenbahn auf Busse. Aber viele Städte entschieden auch, die Umstellung ohne diese Art der Einflussnahme zu bewerkstelligen, und 1937 wurde bereits die Hälfte aller Städte in den USA, die über öffentliche Verkehrsmittel verfügten, ausschließlich durch Busse bedient.

In erster Linie jedoch entschieden sich die Amerikaner für noch eine andere Alternative: das Automobil. Für die wachsende Anzahl an Menschen, die es sich leisten konnten, wurde das Auto zur Pendler-Option der Wahl. In Washington D.C. fuhr 1962 die letzte Straßenbahn.


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