Innenstadt und Vorort: Chicago und Park Forest, Illinois, 1950er Jahre

Die ausufernde Metropole

Die ausufernde Metropole

Die schnell wachsende Abhängigkeit vom Auto trug zur Neugestaltung des Lebens in amerikanischen Großstädten und Vororten nach dem Zweiten Weltkrieg bei. Durch sie wurden die Landschaft und die Kultur der Vorstädte geschaffen, die inzwischen einen Großteil des zeitgenössischen Lebens in Nordamerika prägen. Durch den Besitz eines Autos wurde es für weiße Familien der Mittel- und Arbeiterklasse einfacher, in neue, außerhalb gelegene Vororte zu ziehen. Die lokale und nationale Verkehrspolitik förderte, zum Nachteil der älteren, zentralen Stadtteile, oft die Entstehung von Vorstädten.

In den 1950er Jahren war die Zukunft des zentralen Geschäftsviertels von Chicago durch zunehmende Verkehrsprobleme und ein rasches Wachstum der Vorstädte bedroht. In Anbetracht dieser Situation brachte die Stadtverwaltung eine Reihe von Verkehrsprojekten auf den Weg, die die Entwicklung in der Innenstadt fördern sollten. Stattdessen fühlten sich Privatpersonen und Unternehmen durch diese „Verbesserungen“ erst recht ermuntert, aus dem Innenstadtbereich fortzuziehen. Park Forest, einer der Vororte, von denen sich die Bewohner Chicagos angezogen fühlten, war ein geplantes Entwicklungsprojekt, in der das Familienauto im Zentrum der Planung und Gestaltung stand und den Rhythmus des täglichen Lebens bestimmte.

Ford Kombi „Country Squire“, 1955

Ford Kombi „Country Squire“, 1955

In den 1950er Jahren stieg die Produktion von Kombi-Pkws von weniger als 3 Prozent auf fast 17 Prozent aller in den USA gebauten Autos. Der Kombi wurde zum Sinnbild des Lebens in den Vororten der Nachkriegszeit. Eltern, die in den Vororten lebten, waren zunehmend auf diese großen Autos angewiesen, in denen sie zur Arbeit pendelten, die Familie von A nach B kutschierten, einkaufen fuhren und Haushaltswaren transportierten.

„Panther“-Fahrrad der Firma Schwinn, 1953

„Panther“-Fahrrad der Firma Schwinn, 1953

Der Besitz eines Fahrrades verlieh Kindern ein gewisses Maß an Freiheit. Dies war insbesondere in den Vorstädten der Fall, wo sehr viel weniger Verkehr auf den Straßen herrschte und die Fahrer daran gewöhnt waren, dass viele Kinder in der Nachbarschaft unterwegs waren.

Machen Sie eine „Fahrt“ mit der Hochbahn („L train“) in Chicago, Illinois, bevor Sie sich zur nächsten Station begeben. Wenn Sie den Bahnhof verlassen haben und rechts abgebogen sind, gehen Sie am Bus vorbei zu der Station bei der nächsten Schild.

Was wurde aus den öffentlichen Verkehrsmitteln?

Was wurde aus den öffentlichen Verkehrsmitteln?

Während des Zweiten Weltkriegs erreichte das Fahrgastaufkommen im öffentlichen Nahverkehr einen Höhepunkt und ging aber anschließend deutlich zurück, als mehr Amerikaner dazu übergingen, ihre eigenen Autos zu fahren und immer mehr neue Wohngebiete und Geschäftsgrundstücke abseits der vorhandenen Linien öffentlicher Verkehrsmittel erschlossen wurden. Zwischen den späten 1950er Jahren und dem Beginn der 1970er Jahre stellten mehr als 170 US-amerikanische Verkehrsunternehmen ihren Betrieb ein.

Jahr 1964 rief Präsident Lyndon Johnson die Nation auf, das öffentliche Verkehrsnetz wieder aufzubauen, um die amerikanischen Städte zu erneuern, und der Kongress verabschiedete Gesetze zur Finanzierung der öffentlichen Verkehrsmittel. In den 1970er Jahren gehörte das Programm zur Förderung der öffentlichen Verkehrsmittel zu den am schnellsten wachsenden Programmen der US-Bundesregierung. Die Förderung der öffentlichen Verkehrsmittel nahm zu, obwohl dies für die Zahlen der Fahrgäste nicht galt. Die Bürgerrechtsbewegung hatte das Bewusstsein für die Bedürfnisse benachteiligter Menschen im Zusammenhang mit öffentlichen Verkehrsmitteln geschärft. Umweltschutzfragen rückten in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses, ebenso wie die steigenden Preise für Straßenbauprojekte und die Kosten, die durch das verstärkte Verkehrsaufkommen durch Pkw und Lkw entstanden.

Aber die Städte Amerikas breiteten sich weiter aus, und die öffentlichen Verkehrsmittel konnten nicht mit der Bequemlichkeit des Autofahrens konkurrieren. Die Chicago Transit Authority war von den rückläufigen Fahrgastzahlen und sinkenden Einnahmen stark betroffen. In den 1980er Jahren erklärte ein Beamter der Verkehrsbetriebe in Chicago, dass die öffentlichen Verkehrsmittel „für den amerikanischen Lebensstil nicht mehr relevant“ seien. Ab den späten 1990er Jahren erlebten die öffentlichen Verkehrsmittel jedoch ein überraschendes Comeback, als Planer sich eingehender mit den Möglichkeiten des intelligenten Wachstums und einer an den öffentlichen Verkehrsmittel orientierten Entwicklung beschäftigten. Werden angesichts der zunehmenden Verstopfung der Straßen mehr Amerikaner auf die öffentlichen Verkehrsmittel umsteigen?


Die nächste Station ist die Autobahn Interstate 10. Drehen Die sich um und gehen Sie auf den blauen Lkw zwischen den beiden roten Autos zu.